Ägäisregion
Die Region im Westen der Türkei wird vom ägäischen
Meer nach Norden zu von der Marmararegion, im Osten von Mittelanatolien
und südlich von der Mittelmeerregion und dem Mittelmeer begrenzt.
Mit 79.140 km² umfaßt diese Region 10,2% der Gesamttürkei.
Die außerordentlich zerklüftete Ägäisküste
beginnt im Norden mit der Bucht von Edremit und erstreckt sich bis zur
Mündung des Köycegiz-Sees. Geographisch gehören die Provinzen
Usak, Kütahya, Afyonkarahisar Mugla, Denizli, Aydin, Manisa und Izmir
zu dieser Region. So wie einige Teile der Provinzen Mugla, Denizli und
Afyonkarahisar in andere Regionen hineinragen, so erstrecken sich Teile
der Provinzen Bursa und Balikesir bis in die Ägäisregion.
Die Bergketten treten größtenteils rechtwinklig
auf die Küste, dazwischen erstrecken sich Flußläufe und
fruchtbare Ebenen. Die Wasser der Ägäisregion sammeln sich im
großen und ganzen in den Flüssen Bakirçay, Gediz, Büyük
Menderes und Küçük Menderes, mit denen sie ins Meer fließen.
Aber vom innerwestlichen Anatolien fließt der Susurluk ins Marmarameer,
der Sakarya (mit seinem Hauptarm, dem Pusuk) ins Schwarze Meer, der Akarçay
in den Aksehir-See und der Dalaman Çayi ins Mittelmeer. Der längste
Fluß der Region ist der Büyük Menderes (548 km), dann
kommen der Gediz (401 km) und der Dalaman Çayi (186 km). Die Buchten
sind (von Norden nach Süden) die folgenden: Edremit, Dikili-Candarli,
Izmir, Kusadasi, Güllük (Mandalya), Gökova, Datça,
Hisarönü, Sögüt (Sönbeki) und Marmaris-Köycegiz.
Nach Provinzen unterteilt sollen jetzt einige Daten
zur Kultur, Geschichte und Landschaft der Region mitgeteilt werden:
USAK: Die Provinz
trägt noch die Spuren unseres Befreiungskrieges, speziell der Zurückwerfung
der griechischen Armee zum Mittelmeer. Unter anderem wichtig ist das Dorf
Gögemli, wo der Heerführer der griechischen Truppen, General
Trikupis gefangen gehalten wurde. In der Provinz gibt es eine Reihe antiker
Ruinenstätten.
KÜTAHYA: Die
Stadt ist berühmt durch ihre Fayencen. In der Provinz steht das Kriegerdenkmal
von Dumlupinar. Antike Städte sind Aizanoi (bei Çavdarhisar),
dessen Zeus-Tempel zu den am besten erhaltenen Tempeln in Anatolien gehört;
ferner Tempenos (bei Domanis); und in Kütahya selbst befinden sich
Überreste des antiken Kotyaion.
AFYONKARAHISAR: Von
Kocatepe aus begann die große Offensive unseres Befreiungskrieges.
In Afyon sind die Burg, das archäologische Museum und das Siegerdenkmal
zu besichtigen. Im Tal von Arslantaä, die Löwenreliefs; in Bolvadin
die Rüstem Pasa-Moschee, in Sandikli und Suhut jeweils die Große
Moschee (Ulu Cami); die Karawansereien in Ihsaniye (Eyret Hani) und Sultandag
(Sahip Ata Kervansaray); bei Dinar das Quellgebiet des Menderes (der in
der Antike Mäander hieß), die Persische Burg, die antiken Stätten
Kelainai und Apameia. Diese unsere Provinz ist auch durch ihre Sahne bzw.
Sahnebonbons berühmt. Außerdem gibt es diverse Thermalquellen
hier.
DENIZLI: Das wegen
seiner Hähne berühmte Denizli zieht die Touristen vor allem
zu den Sinterterrassen von Pamukkale. Dieses Naturwunder hat wohl nicht
seinesgleichen. Die Terrassen sind entstanden durch das aus dem Berg Çökelez
entspringende Heilwasser, das gelöstes Kalziumbikarbonat enthält.
Beim Austritt hat das Wasser eine Temperatur von 35°, einen Radioaktivitätsfaktor
von 9,25 Eman und den PH-Wert 6. Bei den Quellen, die seit alten Zeiten
als heilend und heilig galten, wurde Hierapolis (die Heilige Stadt) gegründet.
Erhalten sind: eine ausgedehnte Nekropole mit den verschiedensten Gräbertypen,
ein Theater für 15.000 Personen, der Apollotempel, das Plutonium,
die Gedächtniskirche für den Märtyrer St. Philippus, ein
Gymnasium, Bäder, Straßen, Tore und Stadtmauern.
Weiter gibt es bei Honaz die antike Stadt Kolossai;
außerdem bei Goncali die Ruinen von Laodikeia, das in der Urchristenheit
eine der Sieben Gemeinden war; und im Dorf Yenice Überreste
der antiken Stadt Tripolis. Die Provinz bietet, außer einer wunderschönen
Natur, auch noch die Karawansereien von Akhan und Çardak sowie
den Ausgrabungshügel von Beycesultan.
MUGLA: In der Provinz
Mugla, die das längste Küstenband der Türkei besitzt, befinden
sich Urlaubsorte wie Bodrum, Milas, Marmaris, Datqa, Köycegiz und
Fethiye. Die Bedingungen für jede Art von Tourismus sind hier hervorragend.
Von den bis zu 125 antiken Städten im Bereich der Provinz seien die
wichtigsten aufgezählt: Letoon (bei Kumluova), Telmessos (bei Fethiye),
Kadyanda (bei Üzümlü), Kaunos (bei Köycegiz-Dalyan),
Knidos (bei Datça-Tekirburnu), Keramos (auf der Insel Siedeyri
in der Bucht von Gökova), Stratonikeia (Eskihisar), Mylasa (Milas),
Iasos (am Nordufer der Bucht von Güllük), Halikarnassos (Bodrum),
Labranda (Milas), die Beqin-Burg Herakleia (nahe dem Ufer des Bafa-Sees)
usw. Die Burgen in Bodrum und Marmaris, und in Bodrum das Mausoleion,
d.h., das Grabmal des Königs Mausolos, das zu den sieben Weltwundern
zählt.
Von den sehenswerten Naturschönheiten wäre
zuerst der Kaykiseki-Gipfel zu nennen, von dem man über den Sakar-Sattel
nach Gökova heruntersteigt; oder Balikasiran (Kayikasiran) auf der
Straße nach Datqa; sowie mehr als 100 Inseln. Der Weihrauchbaum
(Liquidamber oriantalis) kommt, wie sonst nirgend auf der Welt, in dieser
Provinz in ganzen Wäldern vor. In den letzten Jahren ist es üblich
geworden, auf die Blaue Fahrt zu gehen und die Wunderwelt
der Inseln, Buchten und prangenden Ufern vom Boot aus zu genießen.
Zwischen Marmaris und der Insel Rhodos bzw. zwischen Bodrum und Kos gibt
es einen regelmäßigen Schiffsverkehr für Touristen. Auch
die türkische Schiffahrtslinie legt mit ihren Dampfern in Bodrum,
Marmaris und Fethiye an. Der Nationalpark von Halikarnassos (Bodrum) befindet
sich ebenfalls in der Provinz Mugla, der wegen all dieser Attraktionen
die Führungsrolle im Tourismusbereich zugeschrieben wurde.
AYDIN: Die Provinz
besitzt mit dem Hafen Kusadasi eine Pforte, durch die viele ausländische
Touristen ins Land kommen. Da Ephesos, eine der meistbesuchten historischen
Stätten der Türkei, nahe liegt (19 km), entwickelt sich der
Fremdenverkehr in diesem Bezirk, der über Strände, eine schöne
Natur und noch weitere antike Stätten verfügt, rasch.
In der Provinz Aydin gibt es wichtige Ruinenstädte,
die wir hier alle nur kurz erwähnen können. Etwa Milet (bei
Söke, Balat), das eine der größten und am besten ausgebauten
Städte Ioniens war. Thales, der erste der sieben Weisen, hat in dieser
Stadt gelebt. In Milet gibt es ein Theater für 25.000 Zuschauer,
die Faustina-Therme, die Agoren usw. Auch Priene befindet sich im Bezirk
Söke beim Dorf Güllübahçe. Hier hat im 6. Jahrhundert
v.Chr. der Weise Bias gelebt. Man wandelt durch die antike Stadt mit dem
Athena-Tempel, dem Theater, den Gymnasien, den Regierungsgebäuden,
den Häusern usw. Einer der größten und berühmtesten
Tempel in Anatolien, der Apollo-Tempel von Didyma, liegt ebenfalls in
unserem Bezirk Söke. Und nur vier Kilometer vom Apollo-Tempel entfernt
gibt es einen herrlichen Sandstrand, Altinkum.
Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit,
war die Stadt Aprodisias geweiht. Sie liegt beim Dorf Geyre im Bezirk
Karacasu und war im Altertum eine der schönsten Städte. Hier
ist das Museum sehr reich an Fundstücken. In der Stadt sind der berühmte
Tempel der Aphrodite, das gut erhaltene Theater für 30.000 Personen,
Römische Bäder, Agora und Akropolis zu betrachten.
Nahe bei Aydin befindet sich Tralles: und bei Qine
liegen Gerga, Alinda und Alabanda; bei Koqarli Amizon; zwischen Söke
und Ortaklar das Magnesia am Mäander (Menderes); bei Sultanhisar
die Reste der antiken Stadt Nyssa. Auch Kuäadasi mit seiner Taubeninsel
und der Karawanserei ist sehenswert.
MANISA: Diese Provinzhauptstadt
liegt nur 42 km von Izmir entfernt. Auch hier gibt es für den Touristen
Schätze zu entdecken. Die Einheimischen kommen jedes Jahr zum Mesir-Fest,
wo der traditionelle Mesir-Kräuterzucker gekocht und verteilt wird.
In der Stadt gibt es außer der Sultaniye-Moschee, die ein Werk des
Architekten Sinan ist, noch andere alte Moscheen. In der Nähe ist
der weinende Felsen oder Niobefelsen zu besuchen sowie bei
Akpinar das Kybele-Relief, das die Einheimischen Eti Ana (Hethitermutter)
nennen und der Pelops-Thron. Südlich von Manisa wurde
der Gipfel des Spildagi (in der Antike Sipylos) zum Nationalpark erklärt.
Der Bezirk Kula gleicht durch die interessanten türkischen Häuser
einem Freiluftmuseum.
Zu den Sieben Gemeinden der Urchristenheit
gehörten Thyateira (heute Akhisar), Philadelphia (heute Alasehir)
und Sardes. In der Provinz Manisa gibt es noch viele Burgen und Ruinen.
Sicherlich ist Sardes bei Salihli die bedeutendste.
Sie war die Hauptstadt des Lydischen Reiches. Von den Überresten
sind zuerst der Artemistempel erwähnt, dann die Akropolis, das Theater,
römische Thermen, ein Gymnasium, das Bronzehaus, die
Synagoge, die Königsstraße, das Pyramidengrab. Etwas weiter,
am See Gölmarmara breitet sich die lydische Nekropole Bintepe
mit ihren Tumuli aus. Der größte dieser Grabhügel soll
der des lydischen Königs Alyattes sein. In Sardes wurden erstmals
in der Geschichte Münzen geprägt. Der Lyderkönig Kroisos
galt als einer der reichsten Menschen seiner Zeit, vielleicht aller Zeiten.
Die Landschaft zwischen dem natürlichen See Gölmarmara und dem
Stausee von Demirköprü ist wunderschön.
IZMIR: Zu allen Zeiten
wurde Izmir in der Literatur mit Attributen wie Perle der Ägäis,
Schmuck der Welt, schönste Stadt Ioniens,
das Herz der Ägäis bezeichnet. Stadt und Provinz verfügen
über so viele für den Touristen interessante Daten, daß
es den gegebenen Rahmen sprengen würde, sie hier alle zu erwähnen.
In Kürze seien wenigstens die wichtigsten historisch-kulturellen
Werte und Naturschönheiten genannt.
In Izmir selbst ist sehenswert: der Kulturpark,
wo jedes Jahr die Internationale Izmir-Messe stattfindet; die Burg Pagos
(Kadifekale), deren Gründung auf die Zeit Alexanders des Großen
zurückgeht; der Ortsteil Bayrakli, wo Reste des alten Smyrna ausgegraben
wurden; die Aquädukte im Ortsteil Sirinyer; der Uhrenturm am Konak
als Wahrzeichen der Stadt; das Reiterdenkmal Atatürks und das Denkmal
der Ersten Kugel; die Hisar-Moschee und die Yali-Moschee,
die alten Hane, die Schwimm- und Heilbäder von Balqova und die Seilbahn
hoch zum Berg Atatepe. Südlich von Izmir erstrecken sich Güzelbahqe,
Urla, Karaburun, Çesme, Ilica, beim Dorf Ildiri liegt die antike
Stadt Eritrai; sowie bei Siwacik die antike Stadt Teos. Dreißig
Kilometer südlich davon liegt das Dorf Görece, in dem Augen-Talismane
aus Glasfluß hergestellt werden. Wiederum davon 15 km südlich
breiten sich die Strände von Gümüldür aus. Im Osten
von Izmir bei Kemalpasa beweisen die hethitischen Reliefs von Karabel,
daß die hethitische Kultur sich bis hierher erstreckte. In südöstlicher
Richtung von Izmir sind interessant: die Moschee und das Museum von Tire;
in dem Ort Birgi bei Ödemis der Konkak des Çakiraga und die
Moschee des Aydinowlu Mehmet Bey; bei Bozdag der Gipfel des Berges Bozdag
und der Gölcük-See.
In der Provinz Izmir liegen vor allem zwei antike
Städte, die nicht nur in der Türkei sondern selbst weltweit
von größter Bedeutung sind. Ephesos und Pergamon. Ephesos (Efes)
befindet sich nahe dem Städtchen Selçuk (73 km südlich
von Izmir), das deutliche Spuren verschiedener Epochen trägt. Ephesos,
das im 3. Jahrtausend v. Chr. von anatolischen Ureinwohnern gegründet
wurde, wechselte mehrmals den Platz, weil durch die alluvialen Ablagerungen
des Flusses Kaystros (Küçük Menderes) immer wieder der
Hafen verlandete. Schließlich wurde es im 3. Jahrhundert v.Chr.
in dem Tal zwischen den Bergen Jpion (heute Panayir) und Koressos (heute
Bülbüldag) neu begründet. Der Artemistempel von Ephesos
gehörte einst zu den sieben Weltwundern. Heute kann man das Theater,
das 25.000 Personen faßt, den Hadrianstempel, die restaurierte Celsus-Bibliothek
mit dem Grab des Stifters, den Trajans-Brunnen, den Domitianstempel, zwei
Agoren, das Odeion, Gymnasien, Römische Thermen, die Hanghäuser,
das Stadion, die Marien-Doppelkirche usw. bewundern. Ganz in der Nähe
auf dem Aladag, der sich südlich der Ruinen von Ephesos erhebt, liegt
der Platz Panaya Kapulu, wo Maria, die Mutter Jesu (Meryemana),
ihre letzte Wohnung gehabt haben soll. Dieses Haus wurde im Jahre 1967
von Papst Paul VI. besucht und zum Wallfahrtsort erster Klasse erklärt.
Izmir
Pergamon (Bergama)
hingegen liegt 100 km nördlich von Izmir. Das antike Pergamon war
für etwa 150 Jahre (281 133 v.Chr.) die Hauptstadt des gleichnamigen
Königreiches. Die von Philetairos begründete Dynastie endete
133 mit dem Tode des letzten Königs, Attalos III., der in seinem
Testament die Römer zu Erben des Reiches, das sich von Çanakkale
bis Antalya erstreckte, einsetzte.
Pergamon hat Wertvolles zur Kulturgeschichte beigetragen:
- Das Asklepieion von Pergamon spendete jahrhundertelang
der Menschheit Gesundheit.
- Einer der Väter der diagnostischen Medizin,
der Arzt Galen, wirkte hier.
- Die Akropolis von Pergamon ist ein stilbildendes
Beispiel hellenistischer Stadtbaukunst.
- Der Naturalismus im Bildhauerischen ging von
den Künstlern in Pergamon aus.
- Die berühmte Bibliothek von Pergamon hatte
Doppelwände, um die Bücher vor Sonne, Wind, Feuchtigkeit u.ä.
zu schützen.
- Hier wurde erstmals auf Pergament
nämlich Tierhäuten geschrieben.
- Um den Buchbestand zu vergrößern,
kaufte man sogar für Gold Bücher ein.
- Die Sitte, in Bibliotheken die Büsten berühmter
Schriftsteller und Dichter aufzustellen, begann in Pergamon.
Am Weg von Izmir nach Bergama liegt altes Kulturland,
das in der Antike Ionien, Äolien und Mysien hieß.